Das Testament

Der Tod und Steuern sind unausweichlich. Die Steuer wird zu bestimmten Terminen fällig, der Eintritt des Todes ist zumeist ungewiss. Es ist daher nicht verwunderlich, dass wenige von uns einen letzten Willen aufgesetzt haben. Ein Testament zu machen hat den Vorteil, dass Sie entscheiden, an wen Ihr Geld, Ihr Eigentum und Besitz geht. Gleichwohl arbeiten und opfern wir uns ein Leben lang auf und nur ein Drittel von uns kümmern sich darum, wer die Früchte daraus genießt, wenn wir nicht mehr da sind.

Nach Recherchen der Versicherungen hat nur ein Bruchteil der Versicherungsnehmer ein Testament gemacht. Sich die Zeit zu nehmen, um einen Anwalt wegen des eigenen Todes aufzusuchen wird nicht auf Platz eins unserer Erledigungsliste stehen. In einem Testament geht es aber nicht nur darum, wer was erhält, sondern mit der richtigen Beratung auch darum, Steuerfallen zu vermeiden und das Risiko von Streit unter Ihren Lieben zu vermindern. Was ist also der erste Schritt? Sie können im Internet recherchieren, um erste Anregungen zu erhalten. Sie werden eine Aufstellung Ihrer Vermögenswerte anfertigen, also Bankkonten, Depots, Versicherungen. Gibt es eine Hypothek, die noch nicht abbezahlt ist? Gibt es eine Versicherung für den Fall des Zahlungsausfalls bei der Hypothek? Wer soll benachrichtigt werden, wenn morgen Vormittag etwas passiert? Der nächste Schritt besteht darin, Ihre Wünsche zu ermitteln. Für ein Paar gibt es hier zwei Möglichkeiten: etwas passiert beiden Partnern oder nur einem von beidem stößt etwas zu. Wenn es gemeinsame minderjährige Kinder gibt, ist auch das Sorgerecht zu klären. Hier liegt ein Problem, denn wenn Sie ein ungeschriebenes Abkommen mit Ihrer Schwester oder Ihrem Bruder haben, mögen Ihr Mann oder Ihre Frau andere Vorstellungen haben oder umgekehrt. Wenn Sie keinen letzten Willen machen, wird die gesetzliche Erbregelung greifen. Das kann insbesondere bei Paaren, die nicht verheiratet sind und auch nicht in einer eingetragenen Partnerschaft leben, dazu führen, dass der Überlebende die Erbschaft mit den Geschwistern des Partners teilen muss oder sogar leer ausgeht. Denn das gesetzliche Erbrecht sieht vor, dass Ihre Eltern oder deren Abkömmlinge erben, also Ihre Geschwister, wenn Sie selbst keine Kinder haben, keinen Ehepartner oder eingetragenen Partner haben oder es nicht anders regeln. Innerhalb der EU gilt die EU-Erbrechtsverordnung; darin ist bestimmt, dass sich das Erbrecht danach richtet, wo der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hat, unabhängig davon, wo er geboren wurde. Bei Partnerschaften mit mehreren Nationalitäten kann das zu Überraschungen führen. Wieder anders wird es sein, wenn Sie getrennt sind und keine Trennungsvereinbarung geschlossen haben. Dann erbt der Ehepartner mindestens die Hälfte oder sogar ¾ des Nachlasses, wenn Sie es nicht anders regeln.

Allein Lebende ohne Geschwister, deren Eltern (mehr) haben, werden vom Staat beerbt, wenn sie keinen Erben einsetzen. Das kann sinnvoll sein, wenn der Nachlass überschuldet wäre, andernfalls dürfte es Ihrem Willen vielleicht nicht entsprechen. Steuerliche Konsequenzen des Erbfalles unterscheiden sich ganz erheblich dadurch, ob Sie ein Testament gemacht haben, mit dem Sie jemand begünstigen, der mit Ihnen in einer rechtlichen Beziehung lebt oder ohne rechtliche Beziehung.

Kinder sind erbberechtigt und haben in der Regel den Anspruch auf einen Pflichtteil, Minderjährige mögen Subjekt einer Betreuung durch jemanden werden, den Sie weder kennen noch eingesetzt haben.

Familienunternehmen und damit verbundene Regelungen zur Nachfolge oder zur Verwertung bedürfen jedenfalls sowohl einer rechtlichen wie auch einer steuerlichen Beratung, um das Unternehmen zu erhalten und dessen Fortsetzung zu ermöglich.

Es mag Menschen oder Institutionen geben, die Ihnen am Herzen liegen und deswegen etwas (Gegenstände oder eine Summe Geld) aus Anlass Ihres Abschieds von dieser Welt erhalten sollen, aber nicht Erbe werden sollen. Dafür sieht das Recht Vermächtnisse oder bei größeren Summen auch Stiftungen vor.
Ein Vollstrecker Ihres Testaments kann der Schlüssel sein. Das ist oft ein Rechtsanwalt oder eine andere Person Ihres Vertrauens, dessen Aufgabe darin besteht, Ihren Willen zum Umgang mit dem, was bleibt, so durchzuführen, wie Sie entschieden haben.

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Rechtsanwalt Dr. Markus Wessel, Schlüterstraße 39, 10629 Berlin, mw@ra-dr-wessel.de, Telefon: 030 887 07 777